DIE SUMME MEINER EINZELNEN TEILE

Peter Schneider, Henrike von Kuick, Timur Massold, andreas Leupold, julia Jentsch, Eleonore Weisgerber, robert Schupp, hans Brückner

Thoreau revisited: in Hans Weingartners nüchterner Sozialstudie treiben psychische Probleme ns Mathematiker erst in die Gosse und dann in den Wald


Ein männlich allein in dem Wald, bärtig, nackt, mit ausgebreiteten arm und entrücktem Gesichtsausdruck. Ns Kamera umkreist ihn, überhöht den augenblicke zur pathetischen Naturerfahrung. Dann lässt er sich fallen, nach hinten, in das Nichts, da mitten in der bewegung schneidet das Film – von der Feld- und Wiesenromantik hinein in die moderne Wirklichkeit, von Freiheit und Offenheit direkt in die metallene Enge eines Krankentransporters.

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So beginnt Die gesamt meiner persönlich Teile, der neue Film des Österreichers hans Weingartner: mit hart Kontrasten und irritierenden Wechseln, ns uns völlig im Unklaren lassen von Raum und mal und deren Korrelation. Später importieren sich die beide Momente wiederholen, das grüne Idyll und das triste Krankenhauseinlieferung, aber auch wenn das Bezüge dann deutlicher werden, bleibt die Chronologie jedoch im Ungefähren. Was tiefere ursache und wirkung ist, wo anfang und Ende, das Überreste rätselhaft.

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Die überraschend raffinierte struktur passt damit Sujet das psychischen Desorientierung, mit von Weingartner hier an seinen Erstling das weisse Rauschen anknüpft. Ns Mann innerhalb Wald wird genannt Martin blunt (stark: peter Schneider) und zu sein Mathematiker: ein hochbegabter Zahlenautist, von irgendwann die Sicherungen durchgeknallt sind. Nach Monaten bei der Psychiatrie gibt das für ihn sind nicht Zurück ins alt Leben. Seine freundin (in dieser Rolle verschenkt: julia Jentsch) hat ein anderen, sein Chef mag er nicht mehr beschäftigen, und deswegen gerät Martin in eine schwindelerregende Abwärtsspirale. Im Marzahner Plattenbau überlässt das sich der Gleichgültigkeit und zum Alkohol, das landet an der Straße, sammelt Pfandflaschen und übernachtet an schäbigen Abbruchhäusern. Gemeinsam mit von ukrainischen Halbwüchsigen Viktor (Timur Massold) entflieht das schließlich kommen sie grauen Großstadtmoloch gen Brandenburger Ödnis und gebaut dort eine »Hütte im Wald«, deswegen der Arbeitstitel, und verwirklicht eine kurzlebige Aussteigerutopie, zurück to die roots, rückseitig to the woods.

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Weingartner zu sein noch nie einen Regisseur das Zwischentöne; in Die fetten Jahre zu sein vorbei streckte er dem Kapitalismus die Zunge raus, an »Free Rainer« zeigt an er kommen sie Privatfernsehen den Mittelfinger. Hier nun erweist das sich vollends zusammen plakativer Sozialkritiker, der ns gesellschaftlichen Missständen einer allerdings recht unausgegorenen Lebensentwurf à la Thoreau gegenüberstellt. Das Martin und Viktor, die eine durchaus anrührende, nahezu sprachlose Freundschaft entwickeln, in den ostdeutschen Wäldern glücklich geworden wären, wenn die böse Außenwelt sie einfach wir selbst überlassen hätte, mag ns Film dann doch no behaupten. Das mischt düsteren Realismus mit eskapistischen Träumereien und trotzigem Revoluzzergestus – was mal als und mal weniger stimmig ineinandergreift. Leider halten Weingartners Drehbuch eine ganze Wundertüte über Zufällen parat, die ns Plot recht unvermittelt in neue Richtungen driften lassen. Wenn es zeit gar nicht weitergeht, ziehen man halt einen Brief das ende dem Mülleimer, dort wird wunderschönen drinstehen, an wen einer sich als Nächstes wenden muss.